Das „ernstlich in Erwägung ziehen“ im Allgemeinen und Besonderen
27.06.2007, 13:04 Uhr » Holz & Stock
Also ich mag ja den G 8 Gipfel. Endlich fühle ich mich in dem Gebrauch von Floskeln nicht mehr so allein gelassen. Ich mag es nicht vergessen und es ist aber auch einfach zu schön:
Das „ernstlich in Erwägung ziehen“. Bertha sagt dazu: Super! Nicht immer ein plumpes „gleich“. Oder gar ein „morgen“, wie man in spanischsprachigen Landen sagt. Nein, „Ernstlich in Erwägung ziehen“. Mann, ist das gut. So sophisticated.
Was ich nicht alles schon alles in Erwägung gezogen habe, also mal ehrlich, ich bräuchte drei Leben, um das alles zu tun.
Seit langem ziehe ich ernstlich in Erwägung, mit dem Rauchen aufzuhören.
Auch mit den Vögeln aufzustehen habe ich mal ernstlich erwogen, es später abgemildert zu einem „beim ersten Weckerklingeln“, und ich ziehe dieses immer noch ernstlich in Erwägung.
Ich zog ernstlich in Erwägung, jetzt aber mal „so richtig zu studieren“, nachdem ich mich nach langem abwägen gegen das Auswandern entschieden hatte, was ich früher auch wirklich ernstlich in Erwägung gezogen hatte.
Weil es ja auch kein „ernsthaft“, sondern ein „ernstlich“ ist. Das allein erhebt diesen Zusatz aus der Abschlussvereinbarung des G 8 Gipfels in die Top 10 der weltbesten Nichts – Sagendsten- Floskeln.
Es hat so was von der Verniedlichung „–chen“. Es ist ein Ernstchen. Wie in: „Das ist doch wohl nicht dein Ernstchen“ oder „Das ist mein volles Ernstchen“. Ich schätze, die machen jetzt wirklich Ernstchen in punkto Klimaschutz, denn sie ziehen Klimaschutz ernstlich in Erwägung bis zum Jahre 2050.
Na, da kann ich mir ja noch Zeit lassen mit dem Rauchen...obwohl ich es natürlich weiterhin ernstlich in Erwägung ziehen werden.
Hat jemand mal 4 € und die Ziggy Karte?
Aber hey, nimm das nicht so ernstchen!
