MURDER BY DEATH
25.05.2010, 02:12 Uhr » Konzerttipp
*** MURDER BY DEATH (Bloomington, Indiana, USA) + DIESELKNECHT (Dortmund) * Donnerstag, 27. Mai 2010 @ Gleis 22 * Einlass: 20.30 Uhr, Beginn: 21.00 Uhr * VVK: 12,- Euro / AK: 15,- Euro ***
„Like THE EXORCIST, but more breakdancing“, „Knife goes in, guts come out“, „Who will survive and what will be left of them?“ und, quasi als Erklärung all dieser gelinde gesagt blutrünstigen Album- und song-Titel, „We watch a lot of movies“ - dass es ziemlich genau die Dekade ihres bisherigen Bestehens gedauert hat, bis QUENTIN TARANTINO endlich auf MURDER BY DEATH aufmerksam wurde, ist für den Kultfilm-Regisseur, den ihren song „Comin’ home“ schließlich auf dem soundtrack seines jüngsten Meisterwerks INGLOURIOUS BASTERDS verewigte, fast schon ein Armutszeugnis.
Denn MURDER BY DEATH passen auch noch musikalisch in die von Herrn TARANTINO dankenswerterweise nie wirklich aufgeräumte Schublade: Dängelnde, quengelnde surf-Gitarren, ironische, von Popkultur-Querverweisen nur so strotzende Texte, stolz präsentierte country’n’folk roots, nebst hardcore-punk-Migrationshintergrund: MURDER BY DEATH gefallen sich zurecht als Quintessenz aus NICK CAVEschen „Murder ballads“, dem „American Recordings“-JOHNNY CASH und infernalischem folk punk, gewürzt mit einer Prise American Gothic à la 16 HORSEPOWER, oder deren Nachfolgern WOVEN HAND und SLIM CESSNA’S AUTO CLUB.
Live toppen sie dieses eh schon mehr als standhafte Konstrukt mit einer Energie-geladenen Bühnenshow, die vor allem von Indierockhausens most sexiest cello player, SARAH BALLIET, bestimmt wird, die ihr Instrument bei Konzerten derartig zwischen ihren Schenkeln zer-bratscht, dass man(n) sich nicht entscheiden kann, ob man das arme Cello nun bedauern soll, oder an seiner Statt sein möchte.
Doch genug der albernen Personifizierungen von Streichinstrumenten des billigen Sexismus wegen, eine nicht minder genial benannte Vorgruppe muss auch noch erwähnt werden: DIESELKNECHT (= THE MOUNTAIN BOYS) sind aus Dortmund, und auch wenn ihr Bekanntheitsgrad noch nicht über den Ruhrpottschen Tellerrand geschwappt ist, DIESELKNECHT haben das Zeug zur Kult-band. Weil: Selten eine so unverfrorene Mischung aus Mitgröhl-punk und von einem völlig losgelösten Banjo angetriebenen hillbilly folk gehört: So als hätten DIE KASSIERER bei einem blutigen, aber trotzdem nie wirklich ernst gemeinten Banküberfall MUMFORD & SONS als Geiseln genommen und als Fluchtweg eine Zeitreise in die 20er Jahre unternommen: Heraus kommt dabei die possierliche Musikrichtung „Volk-a-billy“ (Eigenwerbung / Selbstanzeige).
Man höre sich doch bitte unbedingt den song „Als wir jüngst (verschütt gegangen waren)“ auf DIESELKNECHTs myspace-Seite an und staune: Dass diese seltsame, eben nicht Wiener, sondern derbste Ruhrpott-Melange aus deutscher Volksmusik und Appalachian hillbilly folk (punk) so reibungslos funktioniert, macht Spaß, Lust auf mehr von dieser originellen band und zeigt mit leichter Hand ganz nebenbei mal wieder auf, dass man die Rettung der deutschen Sprache doch bitteschön nicht weltfremden Akademikern überlassen sollte. Passend dazu covern DIESELKNECHT „Die Gedanken sind frei“ als Banjo-instrumental. Ohne Worte, aber völlig hinreißend. (Auch sehr schön: DIESELKNECHTs Version des nicht tot zu kriegenden, weil ewigen Alkoholiker-evergreens "Bolle reiste jüngst zu Pfingsten": http://www.youtube.com/watch?v=qvCGuuRPzSY)
Das letztjährige Konzert von MURDER BY DEATH im Gleis 22 war ausverkauft - mit dieser Vorband als Anheizer sollte es kein Problem werden, den damaligen Status noch zu toppen: MURDER BY DEATH plus DIESELKNECHT - definitiv ein Anwärter auf das Konzert des Jahres. (Nicht des Jahrtausends - das findet drei Tage später, ebenfalls im Gleis statt. Mehr dazu möglicherweise bald hier.)
::: Links :::
- http://www.murderbydeath.com
- http://www.myspace.com/murderbydeath
- http://www.lastfm.de/music/Murder+by+Death
- http://en.wikipedia.org/wiki/Murder_by_Death_%28band%29
- http://www.dieselknecht.net
- http://www.myspace.com/dieselknecht

